CNI: Therapie

Die Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz richtet sich in erster Linie nach dem Zustand und den Bedürfnissen des erkrankten Tieres.

Je früher die Behandlung einer CNI erfolgt, umso besser sind die Aussichten, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Das rechtzeitige Erkennen einer Nierenerkrankung und entsprechend frühzeitige Intervention kann die Überlebenschancen erheblich beeinflussen.
Lee G. Early diagnosis of renal disease and renal failure. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2004; 34(4):867-85


Das optimale Management von Nierenerkrankungen beginnt mit einer genauen Bewertung und Einteilung in verschiedene Stadien.

 

Behandlung im Frühstadium:

In frühen Stadien, in denen keine oder nur leichte Symptome zu verzeichnen sind, stehen „nierenprotektive Maßnahmen“ im Vordergrund, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen:

  • Reduktion der Phosphataufnahme – z.B. durch eine Nierendiät oder Zugabe von Phosphatbindern zum normalen Futter (mehr Informationen unter Behandlung im Spätstadium)
  • Regelmäßige Kontrolle von Plasmaphosphat, Proteinurie und Blutdruck – das sogenannten Monitoring 


Behandlung im Spätstadium:

In späteren Stadien richten sich die Maßnahmen nach dem Ausmaß der Symptomatik jeden einzelnen Tieres. Hier hilft die Erstellung einer Prioritätenliste für eine systematische Abarbeitung der Probleme.

Akute Verschlechterungen einer CNI können akute Lebensgefahr durch starke Dehydratation, Elektrolytverschiebungen, schwere Anämie oder Herzarrhythmien bedeuten. Ein akutes Nierenversagen kann sich sozusagen auf die eigentliche CNI aufstocken – „acut on chronic“.

  • Diese akuten Zustände müssen zuerst durch eine Infusionstherapie oder ggf. durch eine Bluttransfusion in den Griff bekommen werden. Hierbei können gleichzeitig Imbalanzen im Elektrolythaushalt ausgeglichen werden (z.B.  Hypo- oder Hyperkaliämie).
  • Bei anhaltendem Erbrechen kann bis zur Stabilisierung des Patienten Metoclopramid (0,2-0,3 mg/kg 2-3 x tgl.) eingesetzt werden.Nicht für die Katze, aber für den Hund zugelassen ist das Antiemetikum Maropitant. Katzen kann es in der Dosis 0,5 mg/kg 1 x tgl. verabreicht werden.
  • Erhöhter Blutdruck (> 180 mmHg, klinische Symptome wie Retinopathien) kann durch die Verabreichung von Amlodipin (0,25 mg/kg 1 x tgl.) oder ACE- Hemmer (z.B. Ramipril 0,125-0,25 mg/kg 1 x tgl., Benazepril 0,25-0,5 mg/kg 1 x tgl.) kontrolliert werden. 
    Wichtig hierbei ist die Kontrolle der Nierenwerte, da diese nach der initialen antihypertensiven Therapie ansteigen können.
    Der klassische Einsatz für ACE – Hemmer ist die Herzinsuffizienz. Da sie blutdrucksenkend wirken, vermindern sie die Proteinurie und verzögern somit das Fortschreiten der CNI. Bei der Anwendung von ACE – Hemmern kann es zum Anstieg von Kreatinin im Blut kommen. Dies muss durch regelmäßige Blutkontrollen überprüft werden.
  • Eine mäßige Stoffwechselübersäuerung des Organismus (Azidose) normalisiert sich meist durch die Verabreichung einer Nierendiät. Haben sich die Werte nach 2-4 Wochen nicht normalisiert, empfiehlt sich die Gabe von Natriumbikarbonat als „Puffer“. Das Pulver kann über das Trinkwasser verabreicht werden. Bis zur Erreichung stabiler Blutwerte sind Blutuntersuchungen in Abständen von 2-4 Wochen erforderlich.
  • Ein herabgesetzter Blutkaliumspiegel (abgesehen vom akuten Zustand) wird ebenfalls in den meisten Fällen durch die Verabreichung einer speziellen Nierendiät normalisiert, denn die meisten Diäten sind entsprechend mit Kalium angereichert. Ansonsten kann Kaliumglukonat über das Futter verabreicht werden.
  • Zur Prophylaxe gastrointestinaler Blutungen können H2-Rezeptorblocker wir z.B. Ranitidin (0,5 mg/kg 2 x tgl.) oder auch Omeprazol (0,7 -1,0 mg 1 x tgl.) eingesetzt werden. Beide Medikamente sind nicht für die Katze zugelassen.
  • Zur Behandlung einer vorliegenden Anämie (Hämatokrit < 0,20-0,25 l/l) ist die Substitution von Eisen (50 mg/Katze 1 x tgl.) und der Einsatz von rekombinanten Human-Erythropoetin (rHuEPO) möglich.
    Letzteres wird eher in Ausnahmefällen bei Tieren eingesetzt, da es sehr teuer ist und bei 30% der behandelten Tiere zu Unverträglichkeitsreaktionen führt. Felines EPO ist kommerziell nicht erhältlich.
    Bluttransfusionen können bei stark geschwächten Patienten zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führen.
  • Um den Verlust wasserlöslicher Vitamine über die Niere auszugleichen, empfiehlt sich die regelmäßige Verabreichung von Vitamin B und E. Vitamin B wirkt häufig auch appetitstimulierend. Vitamin E hat die Wirkung eines „Zellschutzvitamins“

Was können Katzenbesitzer tun:

Bei der Behandlung einer nierenkranken Katze können die Katzenbesitzer sehr viel selber helfen! Mal abgesehen von der bekannten Heilungsförderung durch liebevolle Betreuung, müssen Sie Ihre Kunden auf folgende Punkte hinweisen.

1. Katzen müssen viel Trinken!

 

Besonders wichtig bei Tieren mit CNI ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit. Die Unfähigkeit der Niere den Urin zu konzentrieren verursacht bekanntermaßen Polyurie. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht durch die Trinkwasseraufnahme ausgeglichen, kommt es zur Dehydrierung, ein Zustand, der schnell lebensbedrohlich wird. Spätestens dann kommt der Patient wieder zu Ihnen an den Tropf.

Tipps für Ihre Kunden

  • Frisches Trinkwasser sollte für die Patienten immer verfügbar sein.
  • Verabreichen Sie eher Feucht- als Trockenfutter.
  • Fügen Sie dem Futter noch zusätzliches Wasser hinzu.
  • Bei geschwächten Tieren ist es sinnvoll, mehrere Näpfe aufzustellen.
  • Sie können den Geschmack durch Hinzufügen von Hühnerbrühe attraktiver machen.
  • Das Aufstellen von Trinkwasserbrunnen kann die Aufnahmemenge erhöhen, da viele Tiere fließendes Wasser bevorzugen.
  • Gerade bei Katzen kann die Aufnahme von genügend Flüssigkeit problematisch sein. Hier gelingt es vielen Tierbesitzern nach entsprechender Anleitung in der Praxis, diese als subkutane Infusion zu geben.

 

2. Nierendiät = Futterumstellung!

Essenzieller Bestandteil des langfristigen Managements einer CNI ist die Umstellung des Futters auf fertige Nierendiäten.

Diese weisen folgende Merkmale auf:

  • Reduzierter Phosphorgehalt – die verminderte Aufnahme von Phosphor hilft die fortlaufende Schädigung der Niere zu verlangsamen und einen renalen sekundären Hyperparathyreoidismus zu begrenzen.
  • Reduzierter Natriumgehalt – zur Minderung der systemischen Hypertension und weiteren Schädigung der Nieren.
  • Zusatz von Omega-3- Fettsäuren – die erhöhte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren hilft eine glomeruläre Hypertension zu verringern.
  • Reduzierter Proteingehalt – zur Reduzierung der Retention von toxischen stickstoffhaltigen Stoffwechselprodukten und zur Verbesserung der klinischen Symptome.*
  • Erhöhter Fasergehalt – ein erhöhter Anteil an löslichen Fasern hilft überschüssigen Stickstoff über den Darm auszuscheiden.
  • Erhöhter Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen


*Die Reduktion des Proteingehaltes der Nahrung ist umstritten, denn die Proteinreduktion kann zwar den Anfall von toxischen Abbauprodukten aus dem Stickstoffwechsel einschränken, hat aber nach neueren Erkenntnissen keinen schützenden Effekt auf das funktionelle Nierengewebe. Über die Proteinreduktion in frühen Stadien der CNI gibt es widersprüchlichen Angaben, eine eindeutige Empfehlung kann hierfür nicht gegeben werden (7, 10).

Eine Proteinrestriktion bedeutet, dass die Eiweißquellen in der normalen Katzennahrung (Fleisch und tierisches Gewebe) vermindert werden. Diese Proteinreduktion kann zu Akzeptanzproblemen führen, da die Proteine gleichzeitig Geschmacksträger sind.
In einer klinischen Studie von Elliott et al. (11) konnten 34% der Katzen nicht auf Nierendiät umgestellt werden. Bei Platinga et al. (12)  waren es sogar 54%. Bei einer CNI ist es jedoch lebensnotwendig, dass die Katze genügend Energie zu sich nimmt.

Tipps zur besseren Akzeptanz einer Nierendiät:

  • Die Futterumstellung sollte möglichst nicht während eines Klinikaufenthaltes sondern zu Hause erfolgen, damit das Tier das Futter nicht direkt mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung bringt.
  • Aus dem gleichen Grund auch keine Tabletten unter das Futter mischen.
    Das Anwärmen des Futters erhöht die Akzeptanz. Angewärmtes Futter riecht intensiver und wirkt dadurch appetitanregend.
  • Häufig mehrere kleine Mahlzeiten verabreichen.
  • Das Futter immer schrittweise umstellen durch Mischen des alten und neuen Futters.
  • Eventuell anfangs aus der Hand füttern.
  • Den Geschmack durch Hinzufügen kleiner Mengen Fleisch- oder Fischfonds oder Hühnerbrühe verbessern.


Verweigerung der Nahrung kann bei Tieren, besonders bei Katzen, mit Niereninsuffizienz schnell lebensbedrohlich werden. Wird Nahrung nicht selbständig aufgenommen, kann man versuchen, sie zu pürieren (oder spezielle Sondennahrung verwenden) und das Tier mit Hilfe einer Spritze zu füttern.

CNI – Patienten müssen fressen!
Wenn sie keine Nierendiät fressen, sollten sie die Nahrung bekommen, die sie überhaupt akzeptieren. Bei schwer kranken Tieren gilt: „Ungesunde“ Nahrung (gekochter Schinken, Leberwurst, Fleischwurst) ist besser als gar nichts fressen!

Als weitere Möglichkeit der Phosphatreduktion besteht die Zugabe von sogenannten Phosphatbindern (s. nächster Punkt).

 

3. Zusatz von Phosphatbindern!

Die Phosphatrestriktion ist wichtig, um das Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verlangsamen! Die Kontrolle des Phosphatspiegels gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei CNI – Patienten!

Tatsächlich wird eine frühzeitige Reduktion der Phosphataufnahme in den ersten Stadien empfohlen, um eine Akkumulation von Phosphaten von Anfang an zu verhindern (5).

Phosphatbinder müssen immer über das Futter verabreicht werden, damit sie den im Futter enthaltenen Phosphor binden können!*

Phosphatbinder haben folgende Vorteile:

  • Sie bieten Ihnen die Möglichkeit, bei „schwierigen Katzen“, die keine Futterumstellung akzeptieren, das gewohnte Futter beizubehalten und den schädlichen Phosphor trotzdem zu vermeiden.
  • Kann die Kontrolle des Phosphorspiegels im Blut nicht allein durch die Verabreichung einer Diätnahrung erzielt werden, können Phosphatbinder zusätzlich gegeben werden. 

Stadium I
Stadium II Stadium III Stadium IV
Nierendiät
oder Phosphatbinder kombiniert mit normalem Katzenfutter
Nierendiät
oder Phosphatbinder kombiniert mit normalem Katzenfutter
Phosphatbinder kombiniert mit einer Nierendiät
Phosphatbinder kombiniert mit einer Nierendiät


Mehr Informationen zu Phosphatbindern und deren Hintergrund erfahren Sie auf den nächsten Seiten bei unserem Produkt Renalzin® .

*Phosphatbinder müssen immer im Abstand zu anderen Präparaten (Antibiotika, ACE- Hemmer, Eisenpräparate) verabreicht werden, da sie deren Aufnahme in den Körper beeinträchtigen und so einen Wirkungsverlust verursachen können.

Patienten mit CNI sind Dauerpatienten, die eine intensive Betreuung erfordern. Regelmäßige Kontrollen der Blutparameter und entsprechende Anpassung der Ernährung bzw. der Medikamente sind wichtig und ermöglichen den Patienten trotz der Erkrankung für Monate oder sogar Jahre beschwerdefreies Leben.

Country Links

Suchen & Finden