CNI: Phosphorrelevanz
Anorganisches Phosphat ist wichtiger Bestandteil aller lebenden Zellen, zahlreicher Strukturen (Knochen, Zähne), des Energietransfers und von Enzymreaktionen.
Die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Stoffwechselhaushalt erfolgt unter anderem durch Ausscheidung von Phosphat im Urin: Phosphat wird beim nierengesunden Tier glomerulär filtriert und – falls im Organismus Bedarf an Phosphaten besteht – tubulär rückresorbiert. Überschüssiges Phosphat wird mit dem Harn ausgeschieden.
Im Blutplasma gibt es aber auch noch andere Regulationsmechanismen:
- Calcitriol fördert die Aufnahme von Phosphat aus dem Gastrointestinaltrakt
- Parathormon fördert die Phosphorausscheidung im Urin, die Freisetzung von Kalzium aus dem Skelett, die Produktion von Calcitriol durch die Nieren
- Calcitonin fördert die Ablagerung von Phosphat und Kalzium im Knochen
Bei einer CNI kommt es zu einer Verschlechterung aller Nierenfunktionen.
U.a. bedeutet dies eine Abnahme der glomerulären Filtrationsrate GFR vieler Stoffe.
| Die Flüssigkeitsmenge, die im Bereich der Nierenkörperchen in einer bestimmten Zeit produziert wird, wird als „Glomeruläre Filtrationsrate“ GFR bezeichnet. Sie ist ein wichtiger Parameter für die Abschätzung der Nierenfunktion. Sie wird in der Einheit ml pro Minute angegeben. |
Im Zusammenhang mit einer verminderten Filtration wird auch Phosphor nicht mehr genügend ausgeschieden, der Spiegel im Blut steigt.
“Hyperphosphatämie“ ist eine häufige Diagnose bei Patienten mit CNI und hat weit reichende Folgen für den Kalzium / Phosphorhaushalt des Körpers:
Bei einem erhöhten Phosphorgehalt im Blut wird die Nebenschilddrüse aktiviert.
Die Nebenschilddrüse (Parathyroidea) kontrolliert durch die Freisetzung des sogenannten „Parathormons“ den Phosphor- und Kalziumhaushalt des Körpers.
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Parathormon stimuliert:
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PTH kann die Ausscheidung von Phosphaten kurzfristig erhöhen, weil es die tubuläre Rückresorption der Phosphate hemmt. Dieser Effekt verliert jedoch seine Wirksamkeit, wenn immer weniger Phosphat glomerulär filtriert wird.
Es kommt wieder zu einem Phosphatanstieg im Organismus.
Darüber hinaus mobilisiert PTH Kalzium und Phosphat aus dem Knochen und sorgt so für einen Anstieg der Minerale im Stoffwechsel.
Mit fortschreitender Schädigung des Nierengewebes kommt es zudem zu einer Hemmung der Synthese von Calcitriol (aktives Vitamin D3).
Dies hat eine Resorptionsabnahme von Kalzium zur Folge und die PTH- Freisetzung wird noch zusätzlich angefeuert.
| Calcitriol begünstigt die Resorption von Kalzium aus dem Intestinaltrakt und hemmt die Ausschüttung von PTH. |
Diese Faktoren bewirken einen sekundären Hyperparathyreoidismus und eine Hyperphosphatämie. Die Prävalenz des sekundären Hyperparathyreoidismus bei Katzen mit CNI wird mit 84% angegeben (1).
Infolge der erhöhten PTH-Konzentration kommt es zu einer Entkalkung der Knochen und Verkalkung der Weichteilgewebe (u.a. der Nieren). Die sogenannten Nephrokalzinose forciert die weitere Zerstörung des Nierengewebes (2,3).
Neben den Effekten auf Knochen und Niere wirkt PTH als urämisches Toxin auf viele andere Organe und Gewebe wie Gehirn, Herz, glatte Muskulatur, Lunge, Erythrozyten, Lymphozyten, Pankreas, Nebennieren, Hoden.
Die klinischen Konsequenzen sind Lethargie, Schwäche, Anorexie, erhöhte Infektionsanfälligkeit (4).
Neuste Erkenntnisse:
- Statt wie früher die Proteinurie wird heute die Störung der Phosphatausscheidung und die Phosphatanreicherung im Stoffwechsel als ein Hauptfaktor für das weitere Fortschreiten der Nierenschäden betrachtet (2, 3, 5, 6, 7).
- Den erhöhten Phosphatwerten sollte Aufmerksamkeit geschenkt werden, da diese direkt im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Erkrankung sowie der Morbidität und der Mortalität der Katzen mit CNI stehen (2, 3, 5, 6, 7).
- Aufgrund von besagten Kompensationsmechanismen der Niere ist eine Erhöhung der Phosphatwerte erst spät im Verlauf der CNI im Blut messbar. Mit einer Phosphatanreicherung im Organismus muss jedoch bereits in frühen Stadien der Nierenerkrankung gerechnet werden (8)!
- Die Restriktion der Phosphataufnahme sowie die regelmäßige Überwachung von Phosphat im Plasma ist heute wichtiger Bestandteil eines effektiven Managements der CNI (8).

